Das Werkstatt-Theater-Kiel mit Claude Magniers "Oskar" - Pressevorbericht in den Kieler Nachrichten vom 02.09.2009 (Sabine Tholund)
Zeit etwas Leichtes zu machen
Nach mehreren ernsten Stücken sei es an der Zeit gewesen, mal wieder etwas Leichtes zu machen, so Thies John. Er führt Regie in Claude Magniers Oscar. Das Stück hat schon gut 50 Jahre auf dem Buckel, und genau deshalb hat er es sich ausgesucht. „Die Boulevardkomödie hatte in den 50er und 60er Jahren ihre Blütezeit. Da lauert jede Menge Situationskomik, die schließlich das Wesen so einer Komödie ausmacht.“ Neun Personen stehen auf der Bühne in dem als „Missverständnis in drei Akten“ untertitelten Stück, das knapp zehn Jahre nach seiner französischen Uraufführung 1967 mit Louis de Funès verfilmt wurde. Von dem Film ist John begeistert, seine Inszenierung orientiert sich jedoch an der Theatervorlage.
Perfekte Katastrophen
Im Mittelpunkt des wahnwitzigen Geschehens steht der Seifenfabrikant Pierre Barnier, dessen Buchhalter ihn eines Tages nicht nur mit einer Lohnerhöhungsforderung überrascht, sondern auch mit der Nachricht, dass er eine erhebliche Summe aus dem Betriebskapital unterschlagen hat, um Barniers Tochter zu ehelichen. Als die Tochter ihrem Vater von ihrer Schwangerschaft erzählt, ist die Katastrophe beinahe perfekt. Bis Familie Barnier am Ende feststellt, dass nichts mehr so ist, wie es war, jagt eine Verwechslung die nächste, aberwitzige Missverständnisse führen zu Verwicklungen.
„Es mal richtig krachen zu lassen“
„In dem Stück geht es nicht darum, tief schürfende Charaktere zu zeigen. Hier kommt es auf ein gutes Timing, etwa das genaue Zusammenspiel auf der Bühne und die exakte Koordination der Auf- und Abgänge an“, so John. Die Darsteller hatte er ermuntert, „es mal richtig krachen zu lassen“ - für die meisten eine ganz neue Herangehensweise. Denn komisch zu sein, ist gar nicht so leicht. „Auch in der Komödie muss man die Figuren ernst nehmen. Überzeichnungen sind zwar erlaubt, doch wenn man übertreibt, kann es leicht peinlich werden.“ Die Mitspieler haben sich der Herausforderung gestellt. Für alle hat sich die Arbeit am Stück als „echte Spaßproduktion“ entpuppt, auch wenn es während der Proben nicht immer leicht fiel, ernste Mine zum komischen Spiel zu bewahren. Den Film zum Stück kennt übrigens nur der Regisseur. Insbesondere seinem Hauptdarsteller Jörn Arens, der den Seifenfabrikanten Barnier spielt, hat er „strenges Film-Guck-Verbot“ erteilt - „schließlich will ich keine Kopie von Louis de Funès auf der Bühne sehen“.