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Das Werkstatt-Theater-Kiel zeigt Molières Komödie "Der eingebildete Kranke" - Pressevorbericht in den Kieler Nachrichten vom 10.10.2003 (Beate Jänicke)

"Wir werben ständig um neue Mitspieler, und die lassen sich nun mal am besten beim Einsatz auf der Bühne integrieren. Wir haben vor allem jede Menge Spaß beim Spielen."  

Dem Hypochonder auf der Spur

Gierig zittern ihm die Finger beim Versuch, die Arznei auf den Löffel zu träufeln. Gar nicht schnell genug kann er die Flüssigkeit in den Schlund bekommen. Ungeduldig nimmt er schließlich einen tiefen Zug direkt aus der braunen Medizin-Pulle: "Der eingebildete Kranke" – ganz in seinem Element.

Berühmter Spiegel

Molières Bühnenstück vom Hypochonder Argan, der in seiner Verblendung sogar plant, seine Tochter an einen kurpfuschenden Wichtigtuer zu verheiraten, nur um ständig einen Arzt im Haus zu haben, gehört zu den berühmtesten Komödien des französischen Dichters. Zu Lebzeiten (1622 – 1673) in Kirche und Gesellschaft umstritten, denen er mit seinen schwarzhumorigen Komödien oft den Spiegel vorhielt, gilt Molière heute als Ikone des französischen Theaters.

Komödie mit großer Besetzung

„Nach dem Erfolg im letzten Jahr mit Carl Sternheims Stück ‚Die Kassette‘ wollten wir wieder eine Komödie machen, und zwar mit möglichst großer Besetzung“, sagt Regisseur Stefan Schwarze vom Werkstatt-Theater-Kiel. „Wir werben ständig um neue Mitspieler, und die lassen sich nun mal am besten beim Einsatz auf der Bühne integrieren.“ In dem Molière-Stück agieren zehn Amateur-Darsteller auf den Brettern des KulturForums. Lina Arens ist mit elf Jahren die Jüngste im Ensemble. Am eingebildeten Kranken fasziniert Schwarze besonders die Naivität der Hauptfigur: „Argan ist eine unschuldige Seele, zu schlicht gestrickt, um ihn als Charakter ernst zu nehmen; überhaupt sehe ich keinerlei ernsthaften Grundton in dem Stück.“

Darsteller in Reifrock und mit Halskrause

Auch auf Modernisierungen verzichtet der Regisseur. „Ein paar Ausrutscher haben sich zwar eingeschlichen“, meint Schwarze schmunzelnd in Anspielung auf den vermeintlichen Musiklehrer Clèante, der auf der Gitarre schon mal Angie von den Stones zupft, „aber im Prinzip wollte ich das Stück schon altmodisch inszenieren, da auch die Beziehungen der Figuren zueinander altmodisch sind.“ Um den Eindruck der historischen Komödie zu verstärken, treten die Darsteller zudem in Reifrock und mit Halskrause aus dem Fundus des Kieler Theaters auf. „Als die Kostüme kamen, waren alle in heller Aufregung“, erinnert sich Co-Regisseurin Domenica Jacobi. „Die Verkleidungen sind ernorm hilfreich“, meint Jörn Arens, der den blasierten Mediziner Herrn Diaforius mimt, „man spielt gleich viel gerader und lümmelt nicht so rum.“

Spaß am Spielen

Ganz besonders stolz sind die Werkstättler darauf, dass sie demnächst mit „Die besten Tage meines Lebens“ und „Der eingebildete Kranke“ zwei Produktionen parallel anbieten können. Doch die Freude an der Sache, steht nach wie vor im Vordergrund: „Wir haben vor allem jede Menge Spaß beim Spielen.“