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Das Werkstatt-Theater-Kiel stellt sich vor!

"...wenn man einmal damit angefangen hat, kommt man nicht mehr davon los." - Bericht in den Kieler Nachrichten in der Reihe "Freies Theater" vom 04.07.2006 (Beate Jänicke)

Auch jenseits des Stadttheaterbetriebs und der Privatbühnen mit ihren festen Häusern blüht eine bunt gescheckte Theater-Landschaft. Vom Ein-Mann-Betrieb bis zur vielköpfigen Truppe, vom Schauspiel über das Figurentheater bis zum Theater-Sport: Profis wie Amateure tummeln sich unter dem schillernden Label "Freies Theater". In dieser Reihe wollen wir die verschiedenen Gruppen, ihre Eigenheiten und Unterschiede, ihre Motivationen und Arbeitsweisen vorstellen.  

Eine wild zusammen gewürfelte Truppe

Mit dem "Jedermann" fing alles an. "Eine wild zusammen gewürfelte Truppe waren wir damals 1985", erinnert Friedrich Caesar, der mit Joachim Wendt von Anfang an beim Werkstatt-Theater-Kiel dabei ist. "Unsere beiden älteren Herren für die Charakterrollen", frotzeln die anderen Mitglieder. Temperamentvoll geht es zu im Probenraum in der Fröbelschule.

Theaterspielen ist unser liebstes Hobby

Die "Dienstältesten" "Fiete" und "Achim" stehen auch nach zwei Jahrzehnten noch für das Werkstatt-Theater-Kiel auf der Bühne, doch sonst hat sich vieles verändert seit den Anfangstagen in der 80er Jahren. Prinzipalin Uta Grabowski, inzwischen verstorbene Schauspiellehrerin und Gründerin der Truppe, führte sie bis zu ihrem Tode. Danach übernahmen mit Klaus Falkhausen und Gaby Schelle zwei andere professionelle Theaterleute die künstlerischen Geschicke, bis die Truppe unabhängig werden wollte. "Die Zeit mit den Profis war schön, aber auch schwierig. Wir haben viel von ihnen gelernt, doch für uns ist das Theaterspielen vor allem unser liebstes Hobby, in der Amateurliga fühlen wir uns einfach am wohlsten", erklärt Joachim Wendt den wechselvollen Werdegang der Kieler Amateurbühne mit inzwischen über 20 Mitgliedern, von denen 16 zum aktiven Ensemble zählen.

Wenn Funken springen

"Viele haben uns nach der Trennung nicht zugetraut, "alleine" zurechtzukommen, aber wir sind mit den Aufgaben gewachsen", sagt Silke Arens, die zuletzt in der weiblichen Hauptrolle der turbulenten und sehr erfolgreichen Werkstatt-Theater-Inszenierung des Edward Albee-Klassikers "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" glänzte. Publikumswirksam kamen schon frühere Produktionen wie Molières "Der eingebildete Kranke" daher. Seit der Komödie "Die Kassette" vor vier Jahren lenkt die Truppe ihre Geschicke selbst – inzwischen ein gemeinnütziger Verein, der vollkommen ohne finanzielle Unterstützung arbeitet, auch weil er den "enormen bürokratischen Aufwand" beispielsweise für einen Projektzuschuss zum Anschaffen von Kostümen scheut. Ein Gremium aus Vereinsmitgliedern schlägt Stücke vor, die von wechselnden Regisseuren realisiert werden. "Da muss schon beim Lesen ein Funke überspringen", erklärt Silke Arens die Auswahl, "ansonsten haben wir keine bestimmte Programmlinie; es muss einfach passen, damit wir uns nicht überfordern und die Qualität halten können."

Der Spaß steht im Vordergrund

Thies John, der bei "Virginia Woolf" Regie führte, ergänzt: "Für mich ist es wichtig, dass ich die Figuren nachvollziehen kann, dass ich sie auf der Bühne zu echten Menschen formen kann." Besetzungsprobleme kennt die Amateurtruppe nicht. "Es kommen viele auf uns zu, die mitmachen wollen", erzählt der jetzige Theaterleiter Jörn Arens, "das freut uns natürlich." Die nächste Produktion, der Gerichtsklassiker "Zeugin der Anklage" nach Agatha Christie, die im Oktober Premiere feiert, wurde auch daraufhin ausgesucht, dass man neue Ensemble-Mitglieder mit passenden Rollen einbinden wollte. "Der Spaß steht auf jeden Fall im Vordergrund", betont Jörn Arens, "wenn man sich freiwillig ein dreiviertel Jahr lang pro Produktion an zwei Abenden in der Woche trifft, muss einfach Spaß dabei sein." "Theater ist wie eine Droge", sinniert Thies John, "wenn man einmal damit angefangen hat, kommt man nicht mehr davon los." Fragt man, was das Werkstatt-Theater vor allem charakterisiert, hört man gleich von mehreren Seiten: "Wir sind Freunde." "Offenheit und Natürlichkeit, eine kleine Chaotentruppe, aber nett", umschreibt es Silke Arens lächelnd.

Coole Typen mit weichen Eiern

Jede Menge Erlebnisse verbinden sich inzwischen mit der gemeinsamen Theaterarbeit. Etwa die Scherze, die man sich zur "Dernière", der letzten Vorstellung eines Stücks, früher regelmäßig mit Darsteller-Kollegen erlaubte. Einmal bekam Friedrich Caesar statt des vorgesehenen hart gekochten Eies, das laut Regieanweisung auf seinem Kopf aufgeklopft werden sollte, ein rohes Ei verabreicht. "Eigentlich sollte ich einen richtig coolen Typen spielen, damit war es dann natürlich vorbei", erinnert sich Caesar grinsend. Für andere aus der Truppe wurde das Werkstatt-Theater sogar zum Ort existentieller Begegnungen. "Ich habe hier meine Frau Silke kennen gelernt", erzählt Jörn Arens, "ich musste in einer Rolle vor ihr knien und betteln, dass sie mich am Leben lässt – zum Glück hatte sie ein Einsehen, und heute spielen ab und zu sogar unsere Kinder mit."