Das Werkstatt-Theater feiert sein 20-jähriges Bestehen - Bericht in den Kieler Nachrichten vom 07.04.2005 (Sabine Tholund)
| Ob Ionescos "Der König stirbt", Borcherts "Draußen vor der Tür" oder Sternheims "Die Kassette": Die Liste der Stücke, die das Werkstatt-Theater-Kiel aufgeführt hat, ist lang und abwechslungsreich. Abwechslungsreich wie die 20jährige Geschichte des Privattheaters, das sich einen festen Platz in der Kieler Kulturszene eroberte. |
1985
Das von der Kieler Schauspiellehrerin Uta Grabowski gegründete Theater ohne feste Spielstätte, das in diesen Tagen seinen 20. Geburtstag feiert, ist längst zu einer kulturellen Institution in Kiel geworden. Viele Höhen und Tiefen habe man seitdem erlebt, wissen Friedrich Cäsar und Joachim Wendt, die seit 1985 dabei sind. Zunächst wurde in Kirchen gespielt, bis die Hansastraße 48 zur "Heimat" der Theatergruppe wurde. Jedermann und Zero waren die ersten Inszenierungen der Theatergründerin, die selbst bei Gründgens in die Schule gegangen war und mit Elisabeth Flickenschildt auf der Bühne gestanden hatte. "Uta Grabowski scharte damals einfach Leute um sich, die zum Theaterspielen Lust hatten. Kaum einer hatte Bühnenerfahrung, aber wir haben viel bei ihr gelernt." Doch die Zusammenarbeit mit der strengen Lehrerin war nicht immer einfach: "In der Leitung hat sie niemanden neben sich geduldet, und über Theaterdinge gab es bei ihr keine Diskussion", so Wendt.
1990
Weil das zunehmend selbstbewusste Ensemble jedoch auch mitreden wollte, zog Uta Grabowski sich zurück – bis einzelne Mitglieder der Gruppe sie 1990 baten, zurückzukehren. Als "unangefochtene Chefin im Ring" führte sie fortan das Theater unter ihren Bedingungen. "Das war sozusagen der zweite Startschuss", erinnert sich Jörn Arens, der damals zu der Gruppe stieß, "seitdem gibt es im Werkstatt-Theater kontinuierlich jedes Jahr zwei Produktionen."
1997
Der Tod ihrer Chefin 1997 war für das Ensemble ein Schock: "Wir spielten "Die Physiker", und sie hatte die Rolle der Mathilde von Zahnd übernommen. Vier Vorstellungen hat sie mit Bravour absolviert und stand praktisch bis zu ihrem letzen Atemzug auf der Bühne", erzählt Joachim Cäsar. Die Theatergruppe blieb "wie in einem Vakuum" zurück, denn von der Leitung eines Theaters verstand niemand etwas. Klaus Falkhausen, ein Schüler der Verstorbenen, "hat sich dann zum Glück unser angenommen", so Cäsar, "und wir kamen von einer Profihand in die nächste." "Die Herbstzeitlose" war die erste Inszenierung des Hamburger Schauspielers, der sich später mit Gabriele Schelle Unterstützung aus dem Profilager holte. Bis 2002 standen beide an der Spitze des Werkstatt-Theaters.
2002
Vor drei Jahren haben die Mitglieder die Leitung selbst in die Hand genommen. "Wir hatten uns auseinander gelebt. Und wir wollten selbst mehr machen, denn wir sind in den Jahren erwachsen geworden." Während Falkhausen und Schelle planten, das Theater ganz ins Profilager zu überführen, wollte das Ensemble den Status des Amateurtheaters halten – und hat die Entscheidung nicht bereut. Die künstlerische Leitung übernahm ein dreiköpfiges Gremium: Joachim Wendt, Friedrich Cäsar und Silke Arens. "Es läuft rund, die Atmosphäre innerhalb des Ensembles ist sehr gut, genauso wie der Zuschauerzuspruch", so Cäsar. "Wir wachsen mit jeder Produktion", ergänzt Joachim Wendt, "und sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir alleine überleben können." Zehn bis zwölf feste Mitglieder zählt das Ensemble, kleine Rollen übernehmen jetzt auch schon die Kinder der Gründungsmitglieder. "Früher waren wir die jugendlichen Liebhaber, heute müssen wir die Charakterrollen spielen", schmunzelt Wendt.
2005
Besondere Highlights in 20 Jahren Theaterarbeit? Die lange Gemeinschaft sei so etwas wie ein Dauerhighlight, und im Grunde sei jede Premiere etwas Besonderes, finden alle. Selbst wenn man einmal vor wenigen Zuschauern spiele, bekomme man alles zurück, was man an Arbeit hineingesteckt hat. Dennoch gibt es Wünsche: "Die Stadt könnte mehr Spielstätten anbieten, so dass mehr Aufführungstermine zusammenkommen", hofft Friedrich Cäsar, der ansonsten optimistisch in die Zukunft des Werkstatt-Theaters blickt. Seine Prognose: "Wir haben Halbzeit."